Funktionaloptometrie

Sehen_OEPDie Funktionaloptometrie beschäftigt sich mit Funktionsstörungen des beidäugigen Sehens, die bei gesunden Augen aufgrund eines gestörten Sehverhaltens oder einer fehlerhaften Sehentwicklung auftreten und zu Problemen der visuellen Wahrnehmung führen, weshalb sie ein sehr dynamisches Spezialgebiet der Augenoptik/Optometrie ist.

Je mehr und je schneller sich unsere Lebensweise von der unserer Vorfahren entfernt, umso weniger wird unsere Wahrnehmung in der gewohnten Weise fehlerfrei funktionieren.

Die Entwicklung der Wahrnehmung bei Kindern ist grundliegend anders als noch vor wenigen Generationen, so dass viele Entwicklungsstufen gar nicht mehr in gewohnter Weise stattfinden.

Die Mehrheit der Kinder entwickelt sich trotzdem prächtig. Im Einzelfall jedoch führt das Zusammentreffen verschiedenster negativer Faktoren zu Problemen der visuellen Wahrnehmung, wie Anstrengungsbeschwerden, Kopfschmerzen, gerötete Augen, Lese-Rechtschreibschwierigkeiten, Ermüdungserscheinungen und Aufmerksamkeitsdefizite (ADS, ADHS) am Arbeitsplatz (z.B. Schulbank), u.v.m.
Aus diesen Erkenntnissen und Erfordernissen heraus hat sich die Funktionaloptometrie (Verhaltensoptometrie) vor vielen Jahren entwickelt (in den USA seit vielen Jahren als Bestandteil des Universitätsstudium).

Die Analyse funktioneller Sehprobleme wird nicht ausschließlich durch moderne High-Tech-Ausstattung in der optometrischen Praxis ermöglicht. Vielmehr läßt sich durch eine ganzheitliche Betrachtungsweise der visuellen Situation mit vielen Funktionstests, einer gründlichen Erfragung der Vorgeschichte und der besonderen Erfahrung des Optometristen ein Gesamteindruck vom Problemkreis des jeweils Betroffenen herstellen.

Da ein spezielles Sehproblem immer nur Teil des Gesamtsystems ist, so muss der Mensch immer als Ganzes im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Die visuelle Wahrnehmung entwickelt sich vom Säugling bis hin zum Greis – es gibt also kein Ende der Entwicklung, denn Sehen ist nicht nur Physik oder Physiologie, Sehen ist in erster Linie Erfahrung!

Aus diesem Grunde lassen sich visuelle Probleme nicht immer nur durch Eingreifen an einer einzigen Stelle lösen (z.B. durch Verordnung einer Brille), sondern es muss vielmehr das Sehverhalten insgesamt betrachtet und geändert werden, wie beispielsweise die Ergonomie, die Beleuchtung, der Arbeitsablauf, etc.

Das Kernstück der Funktionaloptometrie ist die visuelle Analyse, bei der mit Hilfe von zahlreichen Wahrnehmungstests und der 21-Punkte-Analyse ein umfassender Überblick über die visuelle Situation des Klienten erzielt wird. Daraus lässt sich dann ableiten, an welchen Stellen das visuelle System ineffektiv arbeitet und ob es gegebenenfalls trainiert werden kann.

So ist ebenfalls die ursprüngliche Rolle des Auges das Sehen in der Ferne….  Erst durch die heutige Globalisierung und der neuentstehenden Kommunikationstechnologien benutzen wir unsere Augen vielfach (je nach Beruf sogar hauptsächlich) in der Nähe.

Die Funktionaloptometrie steht nicht in Konkurrenz zur herkömmlichen Refraktionsbestimmung und Brillenverordnung, sondern sie bietet zusätzliche Hilfestellungen in vielen Fällen, wo die gewohnten Verfahren keinen ausreichenden Erfolg bringen! Der Schwerpunkt der Funktionaloptometrie liegt in der integrativen Vorgehensweise, insbesondere in der multidisziplinären Zusammenarbeit.

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